Testbericht zum Jaguar GT-Prototyp: Eine neue Ära luxuriöser elektrischer Leistung

19

Das kommende GT-Modell von Jaguar signalisiert einen radikalen Wandel für die Marke und dringt entschieden in den Markt für High-End-Elektrofahrzeuge vor. Erste Tests zeigen ein Auto, bei dem Komfort und Raffinesse Vorrang vor purer Sportlichkeit haben und das eher Bentley als Porsche ähnelt. Der 120.000 Pfund teure viertürige Elektroauto stellt mit seinem kühnen Design und bahnbrechender Technologie einen klaren Bruch mit der Vergangenheit von Jaguar dar.

Eine Abkehr von der Tradition

Der Jaguar GT basiert auf einer neuen Plattform namens Jaguar Electric Architecture (JEA) und verfügt über ein 850-Volt-System und eine 120-kWh-Batterie. Dieser treibt drei Elektromotoren an – einen vorne und zwei hinten – und liefert eine Gesamtleistung von etwa 1.000 PS und ein Drehmoment von 1.366 Nm. Während die Leistungswerte beeindruckend sind (0–62 Meilen pro Stunde in weniger als 3,5 Sekunden), haben sich die Jaguar-Ingenieure bewusst vom aggressiven Fahrverhalten von Konkurrenten wie dem Porsche Taycan ferngehalten.

Komfortorientierte Technik

Im Mittelpunkt der Entwicklung des GT stand die Schaffung eines komfortablen, luxuriösen Reiseerlebnisses. Zweikammer-Luftfederung und adaptive Dämpfer sind serienmäßig, aus Gewichtsgründen wurde jedoch auf aktive Stabilisatoren verzichtet. Trotzdem wiegt das Auto aufgrund des großen Batteriepakets rund 2.700 kg – etwa eine halbe Tonne mehr als ein Taycan. Im Gegenzug bietet der GT eine größere Reichweite von über 700 Kilometern (WLTP) und Schnelllademöglichkeiten (bis zu 350 kW, also 320 Kilometer in weniger als 15 Minuten).

Unterwegs: Bentley-ähnliche Eleganz

Erste Testfahrten im Revi-Winterwerk von Jaguar bestätigen einen deutlich anderen Charakter als Porsche. Das Fahrverhalten des GT ist angenehm, die Lenkung ist leichtgängig und die Karosserie rollt deutlich. Jaguar ließ sich bewusst von klassischen Modellen wie dem XJ-C aus den 1970er Jahren inspirieren und legte Wert auf Fließfähigkeit und Komfort. Dank Torque Vectoring und Hinterradlenkung fühlt sich das Auto auch im Grenzbereich stabil an.

Fortschrittliche Stabilitätssysteme

Die noch in der Feinabstimmung befindlichen elektronischen Systeme des GT beweisen beeindruckende Kontrolle. Bei aktivierten Stabilitätssystemen bleibt das Auto auch auf Eis neutral, verhindert ein Übersteuern und ermöglicht ein präzises Handling. Die Fahrmodi (Regen/Eis/Schnee, Komfort, Dynamik) verbessern die Stabilität weiter, wobei der Dynamikmodus ein spielerischeres Fahrerlebnis mit Rückwärtsgang bietet.

Die Zukunft von Jaguar

Der Jaguar GT ist bereit, die Identität der Marke neu zu definieren. Es könnte dort erfolgreich sein, wo der Taycan ins Stocken geraten ist, indem es den Markt für High-End-Elektrofahrzeuge erobert. Der Fokus auf Komfort, Eleganz und ein luxuriöses Fahrerlebnis lässt darauf schließen, dass Jaguar ein anderes Segment der Elektrofahrzeuglandschaft anstrebt. Letztendlich wird der Erfolg des GT davon abhängen, ob er eine überzeugende Alternative zu etablierten Luxus-Elektrofahrzeugen darstellen kann.