Mercedes-Benz CLA Electric Testbericht: Ein anspruchsvoller Schritt nach vorne mit Wachstumsschmerzen

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Mercedes-Benz ändert seine Elektrostrategie. Im Gegensatz zu den speziellen „EQ“-Modellen, die sich oft wie völlig separate, isolierte elektrische Einheiten anfühlten, basiert der neue CLA auf der Mercedes Modular Architecture (MMA). Diese Plattform ist auf Vielseitigkeit ausgelegt und unterstützt sowohl rein elektrische Antriebsstränge als auch 48-V-Hybride. Durch die Abkehr von den polarisierenden, ultra-aerodynamischen Formen des EQS und EQE hat sich Mercedes für einen konventionelleren Premium-Look entschieden, der Effizienz mit traditioneller Ästhetik in Einklang bringt.

Design und Aerodynamik: Effizienz durch Form

Obwohl der CLA „normaler“ aussieht als seine Geschwister, ist er eine Meisterklasse in Sachen Aerodynamik. Um die elektrische Reichweite zu maximieren, hat sich Mercedes stark auf die Reduzierung des Luftwiderstands konzentriert:
Aerodynamische Optimierung: Die effizienteste Version erreicht dank 17-Zoll-Rädern und bündigen Türgriffen einen bemerkenswert niedrigen Luftwiderstandsbeiwert (Cd ) von 0,21.
Stromlinienförmige Details: Der vordere „Kühlergrill“ ist bei EV-Modellen versiegelt und sogar die Aufhängungskomponenten sind abgedeckt, um eine Unterbrechung des Luftstroms zu verhindern.
Der Kompromiss: Um diese Eleganz zu erreichen, leiden einige praktische Elemente. Die Shooting Brake-Version hat einen kleineren Kofferraum (455 Liter) als ihr Vorgänger und der Innenraum bleibt kompakt.

Interieur und Technik: Hightech, aber haptisch fragwürdig

Im Innenraum kommt die „Techno-Premium“-Identität des CLA am deutlichsten zum Ausdruck. Es handelt sich um einen durch Bildschirme und Software definierten Raum, der jedoch Schwierigkeiten hat, den Luxus der „alten Welt“, für den Mercedes bekannt ist, beizubehalten.

Das digitale Erlebnis

Der MBUX Superscreen ist das Herzstück und verfügt über eine riesige Auswahl an Displays, darunter einen 14-Zoll-Bildschirm speziell für den Beifahrer. Die Technik ist zwar beeindruckend – sie verfügt über eine von Google unterstützte Navigation, die sogar vor Schlaglöchern warnt –, wirft jedoch Bedenken hinsichtlich der Ablenkung des Fahrers auf, da der Beifahrer Spiele spielen oder Medien streamen kann, während er die volle Sicht auf den Fahrer hat.

Die Luxuslücke

Trotz des High-Tech-Gefühls fühlt sich die Materialqualität uneinheitlich an. Der starke Einsatz von glänzenden Kunststoffen und „glänzenden“ Formteilen kann sich im Vergleich zu Wettbewerbern, die haptischere, teurere Oberflächen bevorzugen, etwas „kitschig“ anfühlen. Darüber hinaus hat Mercedes seinen aggressiven Schritt in Richtung Bedienelemente nur auf dem Bildschirm fortgesetzt und physische Tasten für wichtige Funktionen wie Sitzheizung und Lordosenstütze entfernt. Während die KI-gestützte Sprachsteuerung branchenführend ist, bleibt das Fehlen physischer Schalter ein Problem.

Fahrdynamik: Verfeinerung statt roher Kraft

Der CLA versucht nicht, ein Supersportwagen zu sein, aber er zeichnet sich dadurch aus, dass er ein anspruchsvoller Cruiser ist.

  • Das Modell 250+: Mit 268 PS bietet es eine respektable Leistung. Interessanterweise behält das Auto seine Beschleunigung auch dann bei, wenn die Batterie fast leer ist (unter 10 %), was einen erheblichen Gewinn für die Praxistauglichkeit darstellt.
  • Der 350 4Matic: Diese Variante mit zwei Motoren bietet ein „Premium“-Fahrgefühl. Während der Einbau eines zweiten Motors normalerweise die elektrische Reichweite vernichtet, ist es Mercedes gelungen, die Auswirkungen auf nur 15–20 Meilen zu begrenzen, was ihn zu einer äußerst praktischen Leistungssteigerung macht.
  • Fahrverhalten: Das Auto ist außergewöhnlich einfach zu fahren. Das Fehlen von Schaltwippen wird durch einen äußerst intuitiven Fahrwähler ausgeglichen, der vom „Ein-Pedal“-Fahren bis zum entspannten „Freilauf“-Modus alles ermöglicht.

Kritischer Hinweis zur Sicherheit: Während das Fahrerlebnis reibungslos verläuft, ergaben die Tests einen besorgniserregenden Fehler: Bremsleistung bei Nässe. Der CLA benötigte im Vergleich zu Konkurrenten wie dem Kia EV3 deutlich längere Bremswege bei Nässe. Dies deutet darauf hin, dass die von Mercedes gewählten Hochleistungsreifen die Sicherheit unter widrigen Bedingungen beeinträchtigen können.

Wert und Wettbewerb

Mit einem Startpreis von 45.615 £ liegt der CLA in einem konkurrenzfähigen Preissegment.

Funktion Mercedes CLA Tesla Model 3
Primärstärke Raffiniertes Fahren und technische Integration Effizienz und Wert
Innenraumgefühl Hightech, „Techno-Premium“ Minimalistisch, funktional
Standardausrüstung Premium-Funktionen, aber weniger „Preis-Leistungs-Verhältnis“ Äußerst wettbewerbsfähige Preise/Spezifikationen

Während der CLA ein „ausgereifteres“ und komfortableres Fahrzeug ist, bleibt der Tesla Model 3 ein beeindruckender Gegner, der in puncto Effizienz mit dem Mercedes mithalten kann und mehr Funktionen zu einem niedrigeren Preis bietet.

Fazit

Der neue Mercedes-Benz CLA ist eine anspruchsvolle und ausgewogene Weiterentwicklung der Elektrolimousine. Während es mit einigen ergonomischen Optionen und enttäuschenden Bremsverhalten bei nassem Wetter zu kämpfen hat, macht es der clevere Einsatz der MMA-Plattform zu einem äußerst effizienten und angenehmen Langstrecken-Cruiser. Es stellt einen bedeutenden Fortschritt dar, auch wenn es die von Tesla gesetzten Effizienzmaßstäbe nicht ganz übertroffen hat.