Warum sieht das BMW-Hauptquartier aus wie Motorzylinder?

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Du hast die Türme gesehen.

Große, zylindrische Dinger, die über München aufragen. Sie sehen nicht wie Büroräume aus. Sie sehen aus wie Requisiten aus einem Spionagefilm aus der Mitte des Jahrhunderts, in dem Bond in einem Vulkanversteck gegen einen Bösewicht kämpft. Aber sie sind keine Fiktion.

Hier lebt BMW. Konkret geht es um die BMW-Weltzentrale, die den Einheimischen auch als „Vierzylinder“ bekannt ist.

Wenn Sie sich fragen, warum ein Automobilhersteller beschlossen hat, sein Verwaltungsgehirn in vier riesigen Röhren unterzubringen, sind Sie nicht allein. Die Form ist verwirrend, wenn man den Kontext ignoriert. Aber BMW hat es nicht zufällig gebaut. Es ist eine riesige Skulptur ihrer Produktgeschichte.

Warum wurde die BMW-Zentrale so gebaut, dass sie wie ein Motor aussieht?

Die kurze Antwort lautet: Markenidentität.

Es geht auch ein wenig um die Stadtplanung zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte. Die frühen 1970er Jahre waren für München eine arbeitsreiche Zeit. Deutschland bereitete sich auf die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 1972 vor. Die Stadt wollte der Welt ein modernes Gesicht zeigen. Nicht die Vergangenheit, sondern eine vom Design definierte Zukunft.

Da kommt der österreichische Architekt Karl Schwanzer ins Spiel.

BMW hat ihn beauftragt. Er betrachtete den brasilianischen Modernismus – insbesondere Oscar Niemeyers Werk in Brasília – und hatte einen Gedanken. Was wäre, wenn das Gebäude anstelle einer Box die Marke wäre?

BMW definiert sich über Motoren. Konkret: Reihenmotoren. Schwanzer schlug vier vertikale Türme vor. Jeder Turm repräsentiert einen Zylinder in einem klassischen Vierzylinder-Motorblock.

Es war nicht nur eine ästhetische Beugung.

„Der größte Vierzylinder der Welt.“

So beschrieb BMW es 1973. Sie wollten ein Wahrzeichen, das zur Technik ihrer Autos passte. Die „Neue Klasse“ der Verwaltungsgebäude.

Wie haben sie vier riesige schwimmende Röhren gebaut?

Der Bau des BMW-Turms erforderte einige schwere Arbeiten. Buchstäblich.

Das Gebäude ist 99,5 Meter hoch. Es hat 22 Etagen. Aber diese Böden waren nicht wie Legosteine ​​übereinander gestapelt.

Schwanzer wollte, dass sich die Türme leicht anfühlen. Technisch. Präzise.

Um dies zu erreichen, änderte er die Art und Weise, wie die Böden hergestellt wurden.

  1. Bürogeschosse wurden horizontal auf Bodenniveau errichtet.
  2. Hydraulikheber hoben den gesamten Boden an seinen Platz.
  3. Die Böden wurden um die vier zentralen Strukturkerne herum aufgehängt.

Für das Jahr 1972 war das radikal.

Traditionelle Türme tragen die Böden von unten nach oben. Diese Böden hängen an den Seiten. Dadurch entstand dieser charakteristische Look. Die Struktur scheint über dem Sockel zu schweben. Es ruht nicht schwer auf dem Boden. Es schwimmt.

Ist das wichtig? Für einen Architekten, ja. Es erzeugt Spannung. Für einen Fahrer fühlt es sich schon im Stillstand wie Geschwindigkeit an.

Welche architektonischen Merkmale prägen heute den BMW-Campus?

Die vier Zylinder sind nicht allein.

Wenn Sie auf dem Gelände herumlaufen, sehen Sie andere Formen, die Gelegenheitstouristen verwirren, für Auto-Nerds aber durchaus Sinn ergeben.

  • Das BMW Museum : Dieses kreisförmige Gebäude nebenan wird oft „die Salatschüssel“ genannt, weil es der Draufsicht auf einen Motorzylinder oder eine Vergaserschüssel ähnelt.
  • BMW Welt : Dieser gläserne Bau wurde viel später, im Jahr 2007, eröffnet und dient als Auslieferungszentrum und Ausstellungszentrum. Es fühlt sich futuristisch an und schließt die Lücke zwischen der technischen Vergangenheit der 70er-Jahre und der elektrischen Zukunft.

Zusammen bilden sie einen der am meisten fotografierten Autocampusplätze der Welt.

Warum ist das Vierzylinder-Design immer noch wichtig?

Weil sich die Marke verändert hat.

Als die Türme 1972 gebaut wurden, stellte BMW Limousinen her. Kleine, sportliche. Der Vierzylindermotor war ihr Brot und Butter. Es war ihr charakteristischer Klang und Gefühl.

Heute? Sie stellen riesige SUVs her. Hochleistungs-M-Autos. Elektrofahrzeuge.

Das Motorlayout moderner BMWs ist anders. Einen einfachen Vierzylinder sieht man bei einem Flaggschiffmodell selten. Aber der Turm bleibt.

Es ist ein Anker. Eine physische Erinnerung daran, wo sie angefangen haben.

Mit einer Höhe von 326 Fuß in der Luft sieht es nicht veraltet aus. Wenn überhaupt, fühlen sich der rohe Beton und das Glas sauberer an als viele danach gebaute Glaskästen.

Architektur ist eingefrorene Musik oder in diesem Fall eingefrorene Mechanik.

Wir schauen in den Himmel in München und sehen Zylinder. Keine Wolken.

Da wundert man sich. Wie sieht Ihr Arbeitsweg aus, wenn Ihr Büro ein Motor ist?

Ändert es Ihr Fahrverhalten?